Trotz Eile ist Vorsicht geboten
Schneebruchschäden im Wald

Schneebruchschäden in einem Fichtenbestand

Foto: Markus Lechner

Die starken Schneefälle Mitte Januar haben im Wald deutliche Spuren hinterlassen.

Bäume wurden gebrochen oder um gedrückt. Jetzt stellt sich die Frage wie weiter? Welche Bäume sollten entnommen werden, welche können bleiben? Wie lange habe ich Zeit für die Aufarbeitung und was ist dabei aus Gründen der Arbeitssicherheit zu beachten? Wir haben das Wichtigste für Sie zusammengefasst.

Welcher Baum muss raus und welcher darf bleiben?

Bei geworfenen und gebogenen Bäumen ist die Antwort leicht. Diese und die Gipfelstücke sind auf jeden Fall aufzuarbeiten. Gipfelstücke werden am besten gehackt.
Bei den gebrochenen Bäumen ist die Antwort schon schwieriger. Es stellt sich immer die Frage, ob die verbliebene grüne Baumkrone ausreicht den Baum im Rahmen der Photosynthese zu ernähren. Als kritisch werden Bäume mit weniger als fünfzig Prozent verbliebener grüner Krone betrachtet. Es wird empfohlen, diese Bäume zu entnehmen. Je nach Krone handelt es sich dabei um Bäume mit weniger als fünf bis sechs verbliebenen grünen Astquirlen.
Wichtig ist, den Bestand nicht weiter destabilisieren und eine Verunkrautung des Bestandes vermeiden. Daher ist es oft besser, überlebensfähige Bäume zu halten, als zu großzügig aufzuräumen. Gebrochene Bäume erholen sich oft besser als man denkt und stehen oftmals noch Jahrzehnte im Bestand.

Bis wann habe ich Zeit?

Die geschädigten Bäume sind ein gefundenes Fressen für den Borkenkäfer. Optimaler Zeitpunkt für die Aufarbeitung ist bis Mitte April mit Beginn des Schwärmfluges. Spätester Termin zur Aufarbeitung ist Ende Mai vor Ausflug der Jungkäfer.
Geschädigte Bestände sind auch nach Aufarbeitung der Schäden das ganze Jahr intensiv auf Borkenkäfer zu kontrollieren. Die Bestände sind einem hohen Befalls-Risiko ausgesetzt.

Wie gehe ich vor?

Bei der Aufarbeitung von Schäden gilt immer der Grundsatz: "Zuerst die Einzelschäden, dann die flächigen Schäden." Man möchte damit verhindern, dass man sich bei der Aufarbeitung der flächigen Schäden zeitlich verzettelt und mit Beginn des Schwärmfluges noch die Einzelschäden auf der Fläche verstreut vorhanden sind.
Der Bodenschutz ist zu beachten. Es darf nur auf den bestehenden Rückegassen gefahren werden, da verdichteter Waldboden Jahrzehnte braucht, um sich zu erholen.

Hinweise und Tipps zur Aufarbeitung

Oberstes Gebot ist die Arbeitssicherheit

Die Aufarbeitung ist gefährlich. Die Bäume stehen häufig unter Spannung. Es wird der Einsatz von Unternehmern empfohlen. Diese haben die notwenigen Maschinen und die notwendige Erfahrung.
Wer es dennoch selber angehen möchte, braucht zumindest einen Schlepper mit Seilwinde. Wichtig: Keine Mutproben. Die Gefahrensituation ist für jeden Baum sorgfältig einzuschätzen. Neben den allgemeinen Sicherheitsempfehlungen (z. B. keine Alleinarbeit), muss zwingend auf nachfolgend beschriebene Gefahrensituationen geachtet werden.

Hängende Gipfel und Äste

Den Blick nach oben nicht vergessen. Nicht unter hängenden oder gebrochenen Gipfelstücken arbeiten. Stämme am besten mit einer Seilwinde umziehen anstatt zu keilen.

Spannungen bei liegenden eingeschneiten Bäumen

Umgedrückte und eingeschneite Bäume stehen unter Spannung und können bei Trennschnitten seitlich ausschlagen. Der Standort für den Trennschnitt ist daher wohl zu überlegen und immer auf der Druckseite. Eventuell den Stamm zusätzlich mit der Seilwinde sichern, um seitliches Ausschlagen zu vermeiden.

Gebrochene Bäume

Aufgrund der fehlenden oder kleineren Krone haben sich der Schwerpunkt und die Hebelwirkung der Bäume verändert. Die Bäume fallen im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr so leicht um. Dies ist bei der Fällung unbedingt zu beachten. Auch hier kann die Seilwinde helfen.

Gebogene Bäume

Gebogene Bäume stehen immer unter Spannung. Beim Durchtrennen der "Zugseite" platzen die Bäume innerhalb von Millisekunden auf und können zu tödlichen Verletzungen führen.

Bei gebogenen Bäumen empfehlen sich zwei Fälltechniken:

  1. Arbeiten mit Stammpressen: Der Stammfuß wird zunächst oberhalb des Fällschnittes mit einem Spanngurt umwickelt und gesichert. Ein Aufplatzen des Stammes wird so vermieden. Anschließend wird der Baum wie gewohnt gefällt. Als zusätzliche Sicherheit empfiehlt sich die Verwendung eines sogenannten "Haltebandes".
  2. "Ausräumen" des Fallkerbes: Bei dieser Technik wird wie gewohnt auf der Druckseite ein Fallkerb mit Fallkerbsohle und Fallkerbdach angelegt. Anschließend werden Fallkerbsohle und Fallkerbdach "scheibchenweise" nachgeschnitten. Der Fallkerb wird so vergrößert, bis der Baum fällt. Die Spannung wird so langsam abgebaut. Der Fällschnitt auf der Zugseite unterbleibt. Ein Aufplatzen wird so vermieden.

Mikadohaufen

Ineinander hängende Bäume sind zwingend mit Maschinen wie Harvestern oder Bagger mit Greifarm aufzuarbeiten. Motormanuelle Fällung mit der Motorsäge ist hier zu gefährlich.

Wie geht es weiter?

Geringe Schäden verwachsen sich in der Regel. Bei größeren Schäden ist eventuell anzupflanzen.

Ansprechpartner und Beratung

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